Schadstoffe im Wasser

Die Belastung mit Nährstoffen hat die Unterwasserlebensräume der Ostsee tiefgreifend verändert. Doch noch gefährlicher, da unsichtbar, ist die Belastung des Wassers mit Schadstoffen. Diese gelangen nicht nur über die Flüsse ins Meer, sondern werden auch über die Luft eingetragen. Manchmal liegt die Quelle aber auch in der Meeresnutzung, zum Beispiel durch Schiffe, Aquakulturanlagen, Windkraftanlagen oder Ölförderplattformen. Eine große Gruppe der Schadstoffe bezeichnet man als PBT-Stoffe: P für Persistenz, B für Bioakkumulation und T für Toxizität.

Persistent bedeutet langlebig. Die Stoffe werden also nicht auf natürlichem Weg abgebaut, sondern überdauern, gelöst im Wasser oder an winzige Partikel gebunden, die Zeit. Bioakkumulation beschreibt die Anreicherung dieser Stoffe im Nahrungsnetz. Die Schadstoffe werden mit der Nahrung von den Meerestieren aufgenommen und meist im Fettgewebe gespeichert. Durch die Räuber-Beute-Beziehung nehmen die Tiere umso mehr Schadstoffe auf, je höher sie im Nahrungsnetz stehen. Große Raubfische sind folglich stärker belastet als kleine Tiere, da sie diese fressen. Deshalb sollten besonders fetthaltige Meeresbewohner vom Menschen nur mit Bedacht konsumiert werden, denn wir Menschen sind von der Bioakkumulation nicht ausgenommen. Viele Schadstoffe können bereits in der Muttermilch nachgewiesen werden, weil die Belastung so hoch ist.

Dagegen sind fettarme und junge Fische wie Friedfische (Fischarten, die sich nur von Plankton, Insektenlarven oder Pflanzenteilen ernähren, z.B. der Hering oder im Süßwasser der Karpfen), Dorsch, Scholle, Seelachs oder Krustentiere kaum belastet.

Toxizität beschreibt schließlich die Giftigkeit eines Stoffes. Es gibt jedoch eine weitere Gruppe von Stoffen, die Endokrine, die nicht unbedingt PBT-Eigenschaften zeigen, aber deshalb nicht weniger gefährlich sind. Sie stammen zum Beispiel aus Arzneimittelresten und entfalten hormonelle Eigenschaften. Damit haben sie schon in geringsten Konzentrationen Wirkung auf den Hormonhaushalt.

Schadstoffe schaden auch dem Menschen

Sie verursachen unter anderem Leberschäden und Unfruchtbarkeit und können krebserregend sein. Schadstoffe werden vom Menschen auch durch den Verzehr von Meerestieren zu sich genommen und sammeln sich im Gewebe an. Durch die Muttermilch werden Schadstoffe dann schon an Säuglinge weitergegeben. 12 der schlimmsten persistenten organischen Schadstoffe (POPs) wurden unter dem Begriff „Schmutzige Zwölf“ zusammengefasst und mit der Stockholmer Konvention 2004 weltweit verboten oder in der Nutzung stark eingeschränkt. Die Liste könnte aber zweifellos noch erweitert werden.

Zu den Schadstoffen gehören folgende Stoffgruppen:

  • Chlorkohlenwasserstoffe
  • Endokrine
  • Neue Organische Stoffe
  • Schwermetalle
Gift gefährdet Vermehrung

Pestizid-Rückstände und andere Giftstoffe wie PCB, PBDE oder TBT wirken oft bereits in winzigen Mengen. Zusätzlich kann es durch eine Kombination mehrerer Schadstoffe zum sogenannten Synergismus kommen. Das heißt, es kommt durch eine gegenseitige Verstärkung mehrerer Schadstoffe zu einer Steigerung der Wirkung. So können sie schwere Schädigungen im Organismus von Tieren hervorrufen, vor allem, wenn diese wie Wale und Robben am Ende der Nahrungskette stehen. Dann reichern sich diese Stoffe besonders stark an. Ein großer Teil der Schweinswale der Ostsee ist aufgrund der Giftstoffbelastung bereits unfruchtbar.

Und auch auf den Menschen wirken diese Stoffe. Eine Vermeidung ist also in unser aller Sinne. Was muss dafür getan werden?

Abwässer müssen strenger auf ihren Schadstoffgehalt hin überprüft werden. Dafür sind nicht nur strengere internationale Regelungen nötig, sondern auch eine stärkere Kontrolle.

In Europa bereits verbotene Pestizide dürfen auf keinen Fall in ärmere Länder gelangen, wo sie sorglos und ohne ausreichenden Schutz von Mensch und Umwelt angewandt werden. Generell stellt eine ökologische Landwirtschaft einen Ausweg aus dem Dilemma Pestizid dar.

Nicht mehr benötigte Arzneimittel müssen sorgfältig entsorgt werden. Hier ist jeder Einzelne aufgerufen, nicht den schnellen Weg über den Ausguss oder die Toilette zu wählen. Ein großes Problem sind hier auch Antibiotika, die nicht nur beim Menschen vorsichtig benutzt werden müssen. Vor allem in der Tierzucht zur Fleischproduktion werden sie noch immer allzu leichtfertig verabreicht. Über das Fleisch gelangen Reste direkt zu uns auf den Teller, über Gülle ins Wasser.

Allein in Deutschland dümpeln zehntausende Sportboote im Wasser vor sich hin. Oft werden sie in der Saison nur spärlich bewegt. Und obwohl viele von ihnen in Süßwasser liegen, wo überhaupt kein Bewuchsschutz nötig wäre, sind die meisten Boote mit den heftigsten Antifoulingmitteln bestrichen, die der Markt zu bieten hat. Bootseigner, die die Schiffe ausschließlich oder fast ausschließlich in Süßwasser nutzen, sollten auf einen Antifoulinganstrich verzichten. Für alle anderen gibt es mittlerweile ungiftige Alternativen. Gerade kommen Systeme, die Ultraschall nutzen, auf den Markt, genauso wie biozidfreie Anstriche mit besonders hoher Festigkeit, die nur alle fünf bis sechs Jahre erneuert werden müssen. Auf ihnen ist der Bewuchs so gering, dass er manuell, entweder an Land mit einer Bürste oder im Wasser mit einer "Im-Wasser-Reinigungsanlage", entfernt werden kann. Auf diese Weise könnte ein Großteil der Belastung durch Antifoulings vermieden werden.

Und um neue Probleme zu vermeiden, müssten neue chemische Mittel auf dem Markt vorab genauer auf ihre Folgen für Lebewesen untersucht werden. Nur so kann verhindert werden, dass wir in einigen Jahren von unerwarteten Folgen überrascht werden.